Humanität und Religion. Ideen im Widerstreit?

In Folge der europäischen Aufklärung veränderte sich auch das Verhältnis zur Religion: Ging es damals vor allem um religiöse Toleranz, die Aufhebung des synonymen Verständnisses von Kirche und Religion, die Trennung von Staat und Religion, um Deismus und Atheismus, so werden wir heute mit gegenläufigen Tendenzen konfrontiert: individualisierte Spiritualität in den westlichen Gesellschaften, der umfassende Anspruch auf Gesellschaft und Politik in einigen Strömungen des Islam, die Zunahme politischer und ideologischer Bewegungen, die sich auf Religion berufen.

Um 1800 prägten der deutsche Humanismus und die darauf aufbauende Wissenschaft der Anthropologie die Idee der Humanität. Die Kultur des „Mensch-Seins“ orientierte sich sprachlich, ästhetisch, gesellschaftspolitisch und moralisch an der Antike. An der Schwelle zur Moderne formierten Kant, Wieland und Goethe einen neuen – kosmopolitischen – Humanismus jenseits religiöser Begründungen. 

Wie tragfähig ist dieses Konzept in Anbetracht der Herausforderungen unserer Zeit? Kann der Humanismus mit seinen allgemeingültig angelegten Ansprüchen der weltanschaulichen und religiösen Vielfalt standhalten, oder ist interkultureller Humanismus eine Utopie? Wie kann eine humane Kultur aussehen, ohne die Erfahrungen der europäischen Welt einfach zu universalisieren? Und lassen wir tatsächlich die Werte der Aufklärung hinter uns, wie manche Stimmen warnen?

Der Internationale Weimarer Sommercampus 2017 stellt sich diesen aktuellen Fragen vor dem Hintergrund des reichen kulturellen Erbes in der Region Weimar und Jena.

Hier finden Sie das “Programm des Weimarer Sommercampus 2017.